Führung & Wirtschaft
Intelligente Sharing-Angebote
Intelligente Sharing-Angebote können in Städten zu einer echten Alternative zum Auto werden und das ÖPNV-Angebot sinnvoll ergänzen

Smart City
Im Bezug auf den Mobilitätsblog Smart Cities: wie sieht es dort mit den öffentlichen Mobilitätsketten aus? geht es heute um intelligente Sharing Angebote, die den Stadtverkehr sinnvoll ergänzen könnten. Die Roland Berger Gruppe hat sich im November 2020 mit der Frage befasst, inwieweit E-Scooter und Leihfahrräder einen smarten Beitrag zur urbanen Mobilität bieten kann oder ob es sich dabei nur um eine Modeerscheinung handelt? Dabei beleuchteten sie Best Practice- Beispiele und filterte dabei sieben wichtige Erfolgsfaktoren heraus.
Seit etwa 2018 nimmt das Verleihen im E-Scooter Markt massiv zu und das Ende der Fahnenstange scheint noch nicht erreicht. Nichtsdestotrotz scheint der erste Hype abgeflaut zu sein. Nachdem Hipster und frühzeitige Anwender den neuen Gefährten zu einem unglaublichen Boom verholfen haben, haben Managementfehler und unüberlegte Markteintritte junger Anbieter zu massiven Vorbehalten in der Bevölkerung geführt. Aber was ist im Rahmen von sinnvoller Mobilität in Stadtgebieten zu berücksichtigen?
An dieser Stelle mal vier interessante Beispiele
Einige erfolgreiche Beispiele zeigen, dass Mikromobilität ihr Potenzial nur entfalten kann, wenn die Rahmenbedingungen passen. In Groningen hat die Stadtverwaltung bereits in den späten 70er Jahren die Weichen für das Fahrrad gestellt. Das Stadtzentrum wurde in vier gleich große Segmente aufgeteilt und die Verkehrsführung für Autofahrer so unattraktiv gestaltet, dass heute kaum noch ein Auto im Zentrum zu finden ist. Ein Verbot für den Autoverkehr musste damit gar nicht ausgesprochen werden, die Zahl der Pkw fiel um beinahe die Hälfte.
Einen ähnlichen Ansatz verfolgt Barcelona mit der Strategie der “Superblocks” oder auf Spanisch “superilles”. Dafür werden Häuserblocks zu größeren Einheiten zusammengefasst, die nur noch in Ausnahmefällen mit dem Auto befahren werden dürfen, der Verkehr wird konsequent um diese “Inseln” herumgeführt. Die Blocks selbst stehen Fußgängern und Fahrradfahrern offen.
Wie Sharing-Angebote digital und sinnvoll in ein bestehendes Mobilitätsnetz integriert werden können, zeigt die Berliner App Jelbi (wie in unserem letzten Blog schon beschrieben); die im Jahr 2019 von den Berliner Verkehrsbetrieben eingeführt wurde. Die Anwendung erlaubt es den Nutzern, ÖPNV-Angebote mit Sharing-Angeboten kombiniert zu planen, zu buchen und intermodal an Mobilitätshubs zu wechseln.
Dass sich auch längere Strecken problemlos mit dem Fahrrad zurücklegen lassen, stellt Dänemark und dort in erster Linie Kopenhagen unter Beweis. Im Jahr 2009 hat die Kommunalverwaltung die Cykelsuperstier ins Leben gerufen. Das sind spezielle Super-Radwege, die eine übergeordnete Verbindungsfunktion haben und die Vororte bzw. das Umland an die City anbinden. Besondere Eigenschaft: Hier haben Radfahrer Platz, eine grüne Welle, an Kreuzungen Vorfahrt.
Erfolgsbeispiel im zweiten Anlauf
Dass die überstürzte Implementierung der neuen Verkehrsteilnehmer auch nach hinten losgehen kann, zeigt das Beispiel Paris. Die Stadt wurde im Sommer 2019 von einer Welle an E-Scootern überschwemmt, nachdem die Stadtverwaltung die Scooter für den Verkehr freigegeben hatte. Innerhalb kürzester Zeit versperrten 20.000 E-Scooter die Bürgersteige. Die Bevölkerung reagierten empört auf das rücksichtslose Verhalten der Nutzer – und die rasante Fahrweise. Die Behörden steuerten erfolgreich mit der Regulierung des E-Scooter-Betriebs dagegen. Paris begrenzte die Zahl der Anbieter auf drei und die absolute Anzahl der E-Scooter auf 15.000, 2.500 spezielle Parkplätze wurden geschaffen oder ausgewiesen und ein Tempolimit eingeführt.
Das Beispiel zeigt: Die Zusammenarbeit zwischen Anbieter und Kommunen ist unverzichtbar für einen erfolgreichen Roll-Out von Sharing-Angeboten. Denn so offensichtlich die Vorteile der agilen Fahrzeuge auf der Hand liegen – ein Selbstläufer ist die Mikromobilität längst nicht.
In der Studie wurden sieben Erfolgsfaktoren herausgearbeitet:
- Erfolgsfaktor 1: Entwicklung eines sicheren Fahrradwegenetzes
- Erfolgsfaktor 2: Parkmöglichkeiten für Fahrräder und E-Scooter schaffen
- Erfolgsfaktor 3: Mikromobilität und anderen Verkehrsmittel besser verknüpfen
- Erfolgsfaktor 4: Pendeln ohne Auto ermöglichen durch eine bessere Anbindung der Vorstädte
- Erfolgsfaktor 5: Autonutzung in der Innenstadt und in Wohngebieten minimieren
- Erfolgsfaktor 6: Regulierung der Mikromobilitätsanbieter
- Erfolgsfaktor 7: Geschäftsmodelle und Equipment an die Bedürfnisse der Nutzer und Städte anpassen
Es ist vielleicht nicht die Non-plus-ultra Lösung aber es zumindest ein planbarer Anfang. In diesem Sinne, auf eine smarte Mobilität!
Bildquelle: Elements, LEIKAPRO