derchangeberaterCHRISTIAN ATZL
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Führung & Wirtschaft

Digitalisierung und ihre Potentiale für uns Bürger

Mit dem 2007 vorgestellten iPhone von Steve Jobs begann ein Sprung in eine neue Ära, hin zur Digitalisierungsnutzung per Endgerät. Die Branche belächelte ihn damals noch mit dem Vorurteil und der Aussage, dieses „Telefon“ ist ja viel zu teuer. Was man dabei nicht berücksichtigte war, es handelte sich nicht um ein „Telefon“ sondern um einen transportablen Datengenerator, den wir heute exemplarisch in der Smartphone-Welt für unsere gesamte Lebensorganisation nutzen. Vom Onlinebanking, über das Terminmanagement, weiter mit der Planung der Freizeitgestaltung, für das Onlineshopping, für die Mobilitätsplanung, für die Dokumentation von Meetings, Treffen, Urlaubsreisen und sonstigen Fotoaufnahmen, welche ggf. wiederum in die Social Media Kanäle abfließen usw. – insofern ist das Smartphone mittlerweile eher zu einem Lebensbegleiter geworden und das durch fast alle Generationen hindurch.

Am 09. Januar 2007 kam dieses „Ur-iPhone“ auf den Markt und löste eine Endgerät-Explosion aus, nicht nur im Smartphone-Bereich sondern auch bei jeglicher Art von Sensoren, die zugleich Internetfähig wurden. Und somit ist die Kombination der Internet-Infrastruktur, in Verbindung mit den Milliarden von Endgeräten, eine hochkomplexe Datenlogistik, die uns allen helfen kann, noch intelligenter aber auch schonender die unterschiedlichsten Ressourcen zu nutzen. Dazu möchte ich ein paar existierende Beispiele anfügen, die gerade auch für Smart Cities, wie auch Smart Regions, von Interesse sind.

Ich beginne einmal mit einem Beispiel aus dem Gesundheitsbereich, welches bei uns in Deutschland noch fast unvorstellbar ist aber bereits in Singapur existiert. Dort existiert ein Krankenhaus, welches komplett durchdigitalisiert ist, u.a. gibt es in diesem Krankenhaus kein Papier mehr. Dieses Krankenhaus hat die gesamten Daten in ihrer eigenen Cloud abgelegt. Des Weiteren hat man alle niedergelassenen Ärzte aus der Region gebeten ebenfalls all ihre Daten in diese Krankenhaus-Cloud einzustellen. Warum?

Nehmen wir einmal exemplarisch an, es gibt einen Notfall, ein Rettungswagen holt Ihren Nachbarn ab und die Fahrt bis zum Krankenhaus dauert ca. 10 Minuten. Innerhalb dieser 10 Minuten ruft der begleitende Notarzt die Daten des Patienten, während der Fahrt, ab und tauscht sich mit dem eingesetzten Arzt im Krankenhaus aus, um bereits vorab Krankheitsbilder ausschließen zu können, sodass bei der Einlieferung das Einsatzteam sofort in die notwendige Operation übergehen kann. Bei uns in Europa derzeit noch unvorstellbar, weil in unserem Fall zuerst etliche Voruntersuchungen nach der Einlieferung stattfinden müssen, die der Patient dann hoffentlich – aufgrund des Zeitverzuges – überlebt, ehe die richtigen Maßnahmen eingeleitet werden können. D.h. diese Datenlogistik in dieser besagten Krankenhaus-Cloud kann den jeweiligen Ärzten eine deutlich schnellere Analytik ermöglichen, dank der Patientendaten der verknüpften niedergelassenen Arztpraxen. 

Lassen Sie uns einen kurzen Blick in die Wirtschaft werfen, nehmen wir eine klassische Produktionsschmiede, in diesem Fall die Firma Voith aus Baden-Württemberg. Dort hat man vor Jahren bereits, zusammen mit der technischen Uni aus Darmstadt, ein digitales Shopfloor-Managementsystem eingeführt. Hört sich kompliziert an, ist allerdings verhältnismäßig einfach zu verstehen. Voith hat also an allen Produktionsprozessen Sensoren angebaut, um unterschiedlichen Zustände an den Maschinen messen zu können und fasst diese Daten zentral zusammen, dass bspw. Sie als verantwortlicher Schichtleiter, auf Ihrem Smartphone, in Echtzeit sehen können, wo liegt aktuell eine Produktions-Ineffizienz vor. Und zugleich sieht Ihr ablösender Schichtleitungskollege, der ggf. gerade auf dem Weg zum Dienstbeginn ist – um Sie abzulösen, ebenfalls diesen Sachstand. D.h. auch hier muss der jeweilige Mitarbeiter nicht erst auf eine „ungewisse“ Fehlersuche gehen, auch die Schichtübergabe läuft problemlos ab und die Datenlogistik bietet ständig passende Lösungsansätze an, um unkompliziert reagieren zu können. Mittlerweile hat Voith seine gesamten Werke untereinander vernetzt, sodass sie sich permanent benchmarken können und somit eine gemeinsame Optimierung vorangetrieben wird. Auch das ist ein schönes Beispiel, wie ich mit Endgeräten Daten in Echtzeit gewinne und in der Folge Prozesse intelligenter steuern kann.

Tauchen wir kurz in die Landwirtschaft ein, konkret gehen wir in den Weinanbau. Seit 2016 wird auf einigen Testfeldern an der Mosel Drohnentechnik beim Weinanbau genutzt. Wie geht das? Bisher war der Winzer gezwungen täglich in seinen Weinberg zu gehen und seine Rebstöcke in Augenschein zu nehmen. Dabei prüft er, braucht dieser Rebstock Wasser und/oder Dünger oder ist er vielleicht von der Reblaus befallen. Diese drei Kriterien werden auf diesen Testfeldern per Sensorik geprüft, d.h. jeder Rebstock ist mit einer Miniplatine, die Internetfähig ist, gechipt und meldet in Echtzeit, wie hoch der Wasserhaushalt, der Düngehaushalt ist und inwieweit ein Reblaus-Befall vorliegt. Der Winzer hat also nichts anderes zu tun als einmal pro Tag auf sein Endgerät zu blicken und zu überprüfen, wie ist der Stand meines Weinberges. Zeigt die App, dass 30 Rebstöcke gewässert, 20 gedüngt und 15 bekämpft werden müssen, dann startet er per Joystick die Drohne und wässert, düngt und/oder bekämpft punktgenau die jeweiligen Rebstöcke. Somit wird nicht mehr per Gießkannenprinzip unnötig Wasser verbraucht oder eine unnötige Überdüngung vorangetrieben, sondern Ressourcenschonend agiert.

Diese drei angerissenen Beispiele sollen aufzeigen, dass wir bei den Begrifflichkeiten smarte Region oder Stadt nicht in eine Art Schockstarre fallen sollten, denn WIR müssen das Rad nämlich nicht neu erfinden – NEIN, vielmehr steht die Herausforderung im Raum, die bereits vorhandenen digitalen Lösungen aufzuspüren, geschickt einzubinden, um uns Bürgern eine Ressourcenschonende und lebenswerte Zukunft zu schenken.

Dieser Beitrag stammt aus dem Blogarchiv. Aussagen, Zahlen und zeitliche Bezüge entsprechen dem damaligen Veröffentlichungsstand.
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